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Führungsmythen entlarvt: 10 Irrtümer über Führung - und was wirklich zählt

  • Autorenbild: Doris Lindner
    Doris Lindner
  • 1. Sept.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.

Ich habe es selbst erlebt: Als junge Führungskraft dachte ich, ich müsse immer souverän wirken, alle Antworten haben und nie Fehler machen.

Heute weiß ich: Genau diese Mythen haben mich blockiert und auch viele meiner Klient*innen kämpfen damit.


Das Problem: Solche falschen Vorstellungen prägen, wie wir führen. Und sie führen direkt in Überforderung, Konflikte und Vertrauensverlust.


Die Lösung: Die Mythen auf den Tisch legen und sehen, was wirklich zählt.

In diesem Beitrag erfährst du, welche 10 Führungsmythen dich am meisten bremsen und wie du sie hinter dir lassen kannst, um wirksamer zu führen.


Schwarzer Schachkönig im Vordergrund, umgeben von anderen Figuren – Symbol für Führungsmythen und die Rolle der Führungskraft im Team.
Führung steht immer im Mittelpunkt - doch Mythen und falsche Erwartungen entscheiden, ob der König stark bleibt oder ins Wanken gerät.




Warum sich Führungsmythen so hartnäckig halten


Früher war Führung gleichbedeutend mit Macht, Anweisungen und Kontrolle. Heute erlebe ich in meinen Coachings und Trainings fast das Gegenteil: ein romantisiertes Führungsbild.


Empathie, Beziehungsgestaltung und Mitarbeitendenentwicklung gelten plötzlich als Allheilmittel. Natürlich sind das wichtige Bausteine, aber sie machen nur einen Teil von Führung aus.


Genau darin liegt das Problem: In vielen Unternehmen prallen diese Welten aufeinander. Die alte Ansage-Führung trifft auf das neue „wir-haben-uns-alle-lieb“-Ideal. Und dazwischen stehen Menschen, die führen sollen, und nicht wissen, welchen Maßstab sie anlegen sollen.


Ich habe das selbst erlebt: als jüngste Bereichsleiterin in einem Tochterunternehmen eines internationalen Konzerns und später als Coach in hunderten Feedback- und Teamprozessen. Die Mythen sind überall die gleichen. Und sie blockieren gute Führung.



Mythos 1 - Führungskräfte werden geboren


Das Bild vom „geborenen Chef“ hält sich hartnäckig: ein Mensch mit Charisma, Präsenz und scheinbar angeborener Autorität. Ihm folgen die anderen automatisch. Alles wirkt wie von selbst.


Fakt ist: Führung ist kein Naturtalent. Charisma kann Türen öffnen, ja. Aber es reicht nicht, um Vertrauen aufzubauen oder schwierige Situationen durchzustehen. Führung ist ein Handwerk, geprägt von Klarheit, Kommunikation und Haltung. Niemand kommt als Führungskraft auf die Welt. Entscheidend ist die Bereitschaft, an sich zu arbeiten.


👉 Mehr zur bewussten Entscheidung für oder gegen eine Führungsrolle erfährst du im Beitrag „Warum Führungskraft werden?“.



Mythos 2 - Wenn ich nur empathisch genug bin, bin ich automatisch eine Top-Führungskraft


Empathie gilt heute fast als Wundermittel. Je mehr Einfühlungsvermögen, desto besser die Führungskraft - so die romantisierte Vorstellung. In meinen Coachings sehe ich genau das ständig: Führungskräfte, die fast ausschließlich auf Nähe setzen.


Fakt ist: Empathie ohne Klarheit führt ins Chaos. Führung bedeutet auch, Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen, die nicht jedem gefallen, und Prioritäten klarzumachen. Gute Führung lebt von Balance: zuhören, verstehen und gleichzeitig die Richtung vorgeben. Wer nur „nett“ ist, wird nicht wirksam.


👉 Wie du diese Balance durch klare Kommunikation stärkst, erfährst du in „Kommunikation als Führungskraft“.



Mythos 3 - Wer fachlich top ist, wird automatisch eine gute Führungskraft


Jahrzehntelang war das der Klassiker: Wer fachlich glänzte, bekam die Führungsrolle. Das galt als Anerkennung für Leistung und als Signal an andere. Doch genau damit haben wir unzählige Menschen in Positionen gedrängt, die sie nie erfüllen konnten.


Fakt ist: Fachwissen und Führung sind zwei verschiedene Welten. Als ich selbst in den Führungskreis aufrückte, zählten plötzlich nicht mehr meine fachlichen Skills. Stattdessen bestimmten Teamdynamiken, Machtspiele und unausgesprochene Erwartungen den Alltag. Genau dort habe ich verstanden: Fachlich gut zu sein, ist wertvoll, aber gute Führung verlangt Klarheit, Konfliktfähigkeit und die Fähigkeit, Entscheidungen auch unter Unsicherheit zu treffen.


👉 Welche Stolperfallen dich am Anfang erwarten können, zeige ich dir auch in Erwartungen an dich als Führungskraft



Mythos 4 - Wenn alle nett und lieb miteinander umgehen, läuft alles super


„Wir verstehen uns doch alle“ klingt nach einem Traum. In Wahrheit ist es oft ein Warnsignal. Teams, die oberflächlich harmonisch wirken, sind häufig die, die Konflikte vermeiden.


Fakt ist: In meinen Teamcoachings habe ich erlebt, wie lähmend das ist. Probleme werden unter den Teppich gekehrt, Fehler totgeschwiegen, Spannungen verdrängt. Das Ergebnis: Stillstand. Die Wahrheit ist: Gesunde Konflikte sind ein Motor für Entwicklung. Erst wenn Themen offen auf den Tisch kommen, entsteht echte Bewegung.


Teil dieses Problems ist häufig eine Führungskraft, die kritisches Feedback vermeidet.


👉 Wie du ehrliches Feedback gibst und trotzdem eine gute Beziehung zu deinen Leuten behältst, erfährst du im Beitrag Feedback richtig geben: Warum kritisches Feedback manchmal weh tut - und trotzdem wichtig ist



Mythos 5 - Führungskräfte dürfen keine Schwäche zeigen


Auch ich dachte lange: Eine gute Führungskraft muss immer souverän wirken, immer alles im Griff haben. Keine Unsicherheit, keine Zweifel. Dieser Anspruch hat mich härter gemacht, als es nötig war und auf Distanz zu meinem Team gebracht.


Fakt ist: Glaubwürdigkeit entsteht, wenn du als Führungskraft nicht versuchst, jemand anderes zu sein. Es geht nicht darum, jede Stimmung ungefiltert ins Team zu tragen. Sondern darum, in der Rolle als Führungskraft klar und verlässlich zu bleiben. Und trotzdem zu zeigen, dass du Mensch bist. Mitarbeitende spüren sofort, ob jemand eine Fassade aufbaut oder echt ist. In meiner eigenen Führungszeit habe ich erlebt, wie Teams aufatmen, wenn Führung nicht unnahbar wirkt, sondern nahbar und ehrlich bleibt.



Mythos 6 - Kontrolle ist die wichtigste Führungsaufgabe


Viele glauben: Gute Führung heißt, alles im Blick zu haben. Anwesenheit. Arbeitsschritte. Ergebnisse. Je enger kontrolliert wird, desto besser das Ergebnis.


Fakt ist: Das Gegenteil passiert. Micromanagement blockiert Eigenverantwortung und überfordert die Führungskraft selbst. Ich erinnere mich an Führungskräfte in meinen Coachings, die völlig am Limit waren - weil sie alles nachhalten wollten. Gute Führung bedeutet nicht Kontrolle, sondern Vertrauen. Klare Ziele, klare Kommunikation, klare Verantwortung: das schafft Orientierung.



Mythos 7 - Führungskräfte dürfen keine Fehler machen


Fehlerfreiheit als Ideal: Wer führen will, darf nicht scheitern. Ein Trugschluss, den ich selbst lange geglaubt habe. Der Preis: ständiger Druck und die Angst, entlarvt zu werden.


Die Wahrheit ist: Fehler passieren. Immer. Entscheidend ist der Umgang damit. Wer Fehler vertuscht, sendet an sein Team: „Fehler sind tabu.“ Wer sie eingesteht, lebt vor, dass Lernen erlaubt ist. Genau hier beginnt eine gesunde Fehlerkultur, und die fängt oben an.


👉 Wie du diese Fehlerkultur mit einem konstruktiven Ansatz stärken kannst, erfährst du in der „Feedforward-Methode“.



Mythos 8 - Gute Führungskräfte arbeiten am meisten und länger als ihr Team


Viele glauben: Wer führen will, muss Vorbild in Sachen Einsatz sein. Immer zuerst da, immer zuletzt gehen. Sich für das Team aufopfern, bis spät in die Nacht.


Fakt ist: Damit richtest du mehr Schaden an, als du Nutzen stiftest. Mitarbeitende fühlen sich gedrängt, ebenfalls Überstunden zu machen. Eine Kultur entsteht, in der Erschöpfung zum Maßstab für Leistung wird. In meinen Coachings taucht dieses Muster immer wieder auf - und die Erkenntnis: Gute Führung bedeutet, auch beim Umgang mit der eigenen Energie Vorbild zu sein. Wer Balance lebt, macht es seinem Team leichter, dasselbe zu tun.


Wie das die Mitarbeiterbindung beeinflusst, liest du im Artikel „Mitarbeiterbindung im Mittelstand“.



Mythos 9 - Führung ist nur Mitarbeitendenentwicklung


Die moderne Variante des Führungs-Irrtums: Führung sei vor allem eins - die Entwicklung von Mitarbeitenden. Fördergespräche, Trainings, Karrierepfade. Alles andere zweitrangig.


Fakt ist: Mitarbeitendenentwicklung ist zentral, aber sie ist nicht alles. Führung heißt auch, unternehmerisch zu denken, im Führungskreis Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu vertreten, die unbequem sind. Wer Entwicklung zum alleinigen Maßstab macht, macht sich selbst klein. Führung ist mehr - und das „mehr“ ist entscheidend.




Mythos 10 - Konflikte sind zu vermeiden

Konflikte gelten als Störfaktor. Also: vermeiden, glätten, übergehen. Klingt bequem, ist aber Gift für jedes Team.


Fakt ist: Nicht der Konflikt ist das Problem, sondern der Umgang damit. In meinen Teamcoachings habe ich erlebt, wie lähmend unausgesprochene Spannungen sein können. Erst wenn Klartext gesprochen wird, entsteht Energie. Konflikte auszutragen ist unbequem, aber genau das bringt Entwicklung.


👉 Mehr zu klarer und wirksamer Kommunikation findest du im Beitrag „Kommunikation als Führungskraft“.



Fazit - Was wirklich zählt in der Führung


Führung ist heute nicht mehr Macht und Ansage. Und sie ist auch nicht nur Empathie und Entwicklung. Wirkungsvolle Führung bedeutet Balance.


Klarheit geben, wenn Unsicherheit herrscht. Entscheidungen treffen, auch wenn sie wehtun. Menschen fördern, wo sie wachsen können. Diese beiden Welten zusammenzubringen, ist die wahre Führungsaufgabe. Genau dabei begleite ich Führungskräfte: nicht im Entweder-oder, sondern im Sowohl-als-auch.



Viele dieser Mythen begegnen mir täglich in meinen Coachings mit KMU-Führungskräften. Wenn du merkst, dass dich einer dieser Denkfehler blockiert, lass uns sprechen.


👉 Hier kannst du ein unverbindliches Kennenlerngespräch vereinbaren






🎯 Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.

 Deine Doris von Your Business Coach



Die erfahrene Leadership-Trainerin und Systemische Business Coach Doris Lindner im Führungscoaching
Foto: Irmi Sinnesbichler

Autorin:


Doris ist erfahrene Leadership-Trainerin und systemische Business Coach mit einem Herz für KMUs. Aufgewachsen in einem Familienunternehmen, weiß sie, wie entscheidend gute Führung für den Erfolg eines Teams ist.


Aus eigener Erfahrung als Führungskraft auf Bereichsleiterebene kennt sie die täglichen Herausforderungen von Führung - besonders in technischen Unternehmen. Sie hilft Führungskräften, Vertrauen aufzubauen, Mitarbeiter zu halten und echte Leadership-Skills zu entwickeln.



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