Klare Kommunikation: So vermeidest du Missverständnisse im Führungsalltag
- Doris Lindner

- 16. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden
Links Fels, rechts Abgrund – und in der Mitte ein Schild:
„Zufahrt erlaubt, die ersten 30 Minuten einer jeden ungeraden Stunde.“
Wir standen auf einer einspurigen Schotterstraße in Tirol. Keine Ausweichstellen, kein Überblick, nur die Frage: Wer darf jetzt eigentlich fahren? Und dann dieses Schild.
Heißt das jetzt:
Ab 13:00 darf man 30 Minuten lang fahren?
Oder:
Die erste halbe Stunde dieser ungeraden Stunde war schon von 12:00 bis 12:30?
Diskussion mit anderen Ausflüglern: Jeder war überzeugt, die richtige Interpretation gefunden zu haben. Doch jeder verstand es anders - und alle waren überzeugt, im Recht zu sein. Spätestens da wurde klar: Wenn schon ohne Gegenverkehr keine Einigkeit herrscht, wie soll es laufen, wenn zwei Autos Nase an Nase stehen mit 200 Meter Abgrund und keiner zurück will? Da kochen die Emotionen schnell hoch.
Genau das ist das Problem mit unklarer Kommunikation: Sie wirkt harmlos, kann aber Streit, Frust und sogar Gefahr auslösen. Und das Bittere: Wer unklar formuliert, merkt es selbst oft nicht, im eigenen Kopf klingt ja alles logisch.
Ein einziges Beispiel („z. B. 13:00–13:30 Uhr“) hätte alles klären können.
Und genau hier beginnt die Parallele zur Führung - gerade im KMU-Alltag, wo schnelle Entscheidungen und klare Ansagen entscheidend sind.

Was passiert, wenn Kommunikation unklar bleibt
Missverständliche Kommunikation ist im Arbeitsalltag keine Seltenheit. Ein Projektauftrag, der zu vage formuliert ist. Ein Feedback, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Eine Regel, die jeder anders interpretiert.
Die Folgen sind dieselben wie auf der Tiroler Straße:
Jeder glaubt, im Recht zu sein.
Diskussionen beginnen, statt dass Aufgaben erledigt werden.
Am Ende verliert das ganze Team Zeit, Motivation - und manchmal auch das Vertrauen in die Führungskraft.
Und: Konflikte sind vorprogrammiert. Wenn jeder überzeugt ist, es richtig verstanden zu haben, knallt es schnell. Sie werden emotional und belasten nicht nur die Arbeit, sondern oft auch Beziehungen.
Unklare Kommunikation ist also kein Schönheitsfehler. Sie ist ein Risikofaktor.
Klare Kommunikation: Drei Grundsätze, die immer gelten
Klarheit heißt nicht: „Ich verstehe es.“ Klarheit heißt: „Alle verstehen es gleich.“
Dein Maßstab ist nicht, ob deine Botschaft für dich Sinn ergibt – sondern ob sie für andere eindeutig ist.
Kommunikation endet nicht beim Senden, sondern beim Verstandenwerden.
Wenn du eine Anweisung gibst oder ein Ziel formulierst, ist deine Aufgabe nicht erledigt. Erst wenn dein Gegenüber es wirklich nachvollziehen kann, ist Kommunikation gelungen.
Beispiele sind die beste Versicherung gegen Missverständnisse.
Ob in Prozessen, Regeln oder Feedback: Konkrete Beispiele machen deine Absicht greifbar. Sie verhindern, dass jeder seine eigene Interpretation hineinliest.
Wie du klare Kommunikation im Führungsalltag umsetzt
Klare Kommunikation ist kein Talent, sondern ein Handwerk. Mit ein paar einfachen Techniken kannst du sofort Missverständnisse reduzieren:
✅ Werde konkret.
Statt „Gib mir regelmäßig ein Update“ sag: „Bitte schick mir freitags bis 14 Uhr eine kurze Mail mit den wichtigsten drei Punkten.“
✅ Nutze Beispiele und Szenarien.
Wenn du eine neue Regel erklärst, häng ein praktisches Beispiel an. Menschen verstehen am besten, wenn sie den Kontext sehen.
✅ Frag nach, was angekommen ist.
Ein kurzer Satz wie „Fass doch bitte kurz zusammen, wie du es verstanden hast“ verhindert falsche Annahmen.
✅ Schreib Wichtiges auf.
Mündliche Absprachen sind flüchtig. Halte Kernpunkte kurz schriftlich fest. So haben alle eine Referenz.
✅ Sprich in einfacher Sprache.
Fachjargon, Abkürzungen oder schwammige Begriffe („bald“, „regelmäßig“, „besser machen“) führen fast immer zu Verwirrung.
✅ Achte auf den gleichen Wissensstand.
Führungskräfte wissen oft mehr über Hintergründe, Prozesse oder Entscheidungen als ihre Mitarbeitenden. Was für dich selbstverständlich ist, ist für dein Team möglicherweise völlig neu. Frag dich daher regelmäßig: „Was wissen meine Leute schon? Und was muss ich noch erklären?“ Und wenn du unsicher bist: Frag nach. Das gilt besonders in KMU, wo nicht alle Informationen über zentrale Abteilungen laufen.
Typische Fehler, die Missverständnisse auslösen
❌ Unpräzise Formulierungen.
„Mach das zeitnah“ bedeutet für den einen: heute, für den anderen: irgendwann diese Woche.
❌ Nur aus der eigenen Logik heraus sprechen.
Was für dich selbstverständlich ist, muss für andere nicht klar sein.
Beispiel: Für dich ist „bitte gründlich prüfen“ gleichbedeutend mit einer detaillierten technischen Analyse. Dein Mitarbeitender versteht darunter aber nur einen kurzen Plausibilitätscheck. Beide sind überzeugt, dass sie richtig handeln und wundern sich am Ende über das Ergebnis.
❌ Zu viel auf einmal sagen.
Wer fünf Botschaften in einen Satz packt, sorgt dafür, dass am Ende keine hängen bleibt.
Fazit: Klare Kommunikation schafft Sicherheit und Vertrauen
Das Tiroler Schild zeigt es drastisch: Unklare Kommunikation bringt uns ins Stocken, im schlimmsten Fall in Gefahr. Im Führungsalltag gilt das genauso.
Wenn du klar kommunizierst, gewinnst du nicht nur Zeit und Effizienz. Du schaffst Sicherheit, stärkst das Vertrauen deiner Mitarbeitenden und sorgst dafür, dass alle in dieselbe Richtung fahren, statt gegeneinander. Du vermeidest unnötige Konflikte und schaffst ein Umfeld, in dem Zusammenarbeit wirklich funktioniert. Im KMU-Alltag bedeutet das: weniger Missverständnisse, weniger Konflikte, mehr Zusammenhalt.
Klare Kommunikation bedeutet nicht, komplizierte Worte zu finden.
Sondern einfache. Verständliche. Eindeutige.
Und manchmal reicht schon ein einziges Beispiel, um Chaos zu verhindern.
Weiterführende Artikel
Lies auch den Beitrag Kommunikation als Führungskraft, der das Thema noch breiter aufgreift und zeigt, welche Haltung und Werkzeuge du brauchst.
Vertiefe das Thema mit der Feedforward-Methode, die dir hilft, Feedbackgespräche zukunftsorientiert und klar zu gestalten.
Erfahre in Mitarbeiterbindung: 6 Maßnahmen für Führungskräfte, wie klare Kommunikation ein entscheidender Faktor für Loyalität und Motivation ist.
Ergänzend lohnt sich ein Blick auf Selbstreflexion für Führungskräfte, denn Klarheit in der Kommunikation beginnt mit Klarheit über die eigene Rolle.
FAQ zu klarer Kommunikation
Wie erkenne ich, ob meine Kommunikation wirklich klar ist?
Frage aktiv nach, was beim Gegenüber angekommen ist. Wenn die Zusammenfassung deiner Botschaft dem entspricht, was du gemeint hast, bist du auf einem guten Weg.
Wie gehe ich damit um, wenn trotz klarer Ansprache Missverständnisse entstehen?Nimm Missverständnisse ernst, statt sie abzutun. Kläre zeitnah, woher die Unklarheit kam, und passe deine Kommunikation entsprechend an. Hüte dich davor, in eine Schulddiskussion abzudriften: das passiert in solchen Situationen besonders schnell und bringt niemanden weiter. Konzentriere dich lieber darauf, gemeinsam die nächste klare Formulierung zu finden.
Welche Rolle spielen Beispiele bei klarer Kommunikation?
Beispiele sind der Turbo für Verständlichkeit. Sie machen abstrakte Aussagen greifbar und sorgen dafür, dass alle das Gleiche verstehen - egal, welchen Hintergrund oder welches Vorwissen sie haben.
Klare Kommunikation ist ein zentrales Thema in unserem Führungskräfte-Entwicklungsprogramm. Dort lernst du, wie du Missverständnisse vermeidest, Konflikte entschärfst und dein Team auch im hektischen KMU-Alltag souverän führst. Wenn dich das interessiert, lass uns in einem kurzen Video-Call darüber sprechen.
🎯 Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.
Deine Doris von Your Business Coach

Autorin:
Doris ist erfahrene Leadership-Trainerin und systemische Business Coach mit einem Herz für KMUs. Aufgewachsen in einem Familienunternehmen, weiß sie, wie entscheidend gute Führung für den Erfolg eines Teams ist.
Aus eigener Erfahrung als Führungskraft auf Bereichsleiterebene kennt sie die täglichen Herausforderungen von Führung - besonders in technischen Unternehmen. Sie hilft Führungskräften, Vertrauen aufzubauen, Mitarbeiter zu halten und echte Leadership-Skills zu entwickeln.



