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Erwartungen des Teams an die Führungskraft erkennen - mit Fragebogen zur Selbstreflexion

  • Autorenbild: Doris Lindner
    Doris Lindner
  • 29. Apr. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Teil 3 der Serie „Erwartungen an Führungskräfte“

In dieser Serie beleuchten wir Erwartungen aus verschiedenen Perspektiven - von der Geschäftsführung über Teams bis hin zur eigenen Selbstwahrnehmung.



Kennst du das?


Im Teammeeting sagt kaum jemand etwas. Keine Ideen, keine Rückfragen, kein echtes Miteinander. Fachlich läuft es einigermaßen - aber irgendetwas fehlt.


Die Erwartungen des Teams an die Führungskraft werden selten laut ausgesprochen - aber sie sind täglich spürbar. Mitarbeitende erwarten heute mehr als klare Aufgaben. Sie wollen gesehen, gehört und ernst genommen werden.


In diesem Beitrag erfährst du, was dein Team wirklich von dir als Führungskraft erwartet und wie du den Teamgeist wieder weckst. Plus: Ein Fragebogen zur ehrlichen Selbstreflexion.



Das Wichtigste in Kürze


  • Teams wollen mehr als Aufgaben: sie brauchen ein Umfeld, das Engagement, Initiative und Zusammenarbeit fördert.

  • Mitarbeitende erwarten Unterstützung und Fürsorge, also Anerkennung als Mensch und nicht nur als „Arbeitskraft“.

  • Entwicklung und Empowerment sind wichtig: Teams möchten wachsen, Verantwortung übernehmen und Ideen einbringen, ohne Angst vor Bestrafung für Fehler.

  • Vertrauen und Rückhalt entstehen durch klare Erwartungen, offene Kommunikation und das Gefühl, von der Führungskraft unterstützt zu werden.

  • Offene Kommunikation und Einbindung des Teams in Entscheidungen schaffen Orientierung und partnerschaftlichen Führungsstil.

  • Wertschätzung und Fairness, inklusive positiver Fehlerkultur und konstruktivem Feedback, sind zentral für gute Teambeziehungen.

  • Ein kurzer Selbst-Check-Fragebogen hilft Führungskräften zu erkennen, wo sie bereits Vertrauen geben und wo Entwicklungsbedarf besteht.



Tobias sitzt mit seinem demotivierten Team im Meeting, die Stimmung ist gedrückt - Symbolbild für unausgesprochene Erwartungen des Teams an die Führungskraft
Wenn die Stimmung kippt: Teams haben Erwartungen an ihre Führungskraft, auch wenn sie sie selten klar aussprechen.



Ein Teammeeting mit Konsequenzen

Es ist Montagmorgen. Tobias steht vor seinem Team, bereit für das wöchentliche Meeting. Die Agenda ist klar, die Themen wichtig - aber die Energie im Raum ist spürbar niedrig.


Keiner bringt eigene Punkte ein.

Fragen werden mit einem knappen Nicken beantwortet.

Ideen? Kommen keine.

Initiative? Fehlanzeige.


Tobias stellt eine offene Frage: „Was brauchen wir, damit das Projekt wieder besser ins Laufen kommt?“

Stille.

Dann sagt jemand: „Läuft doch.“

Und alle schauen wieder auf ihre Laptops.


Na toll! Tobias fühlt sich wie ein Alleinunterhalter.

Das Team wirkt demotiviert, müde, innerlich auf Abstand. Aber keiner sagt es laut. Und Tobias fragt sich: Was läuft schief? Und was hat das mit mir als Führungskraft zu tun?



Wenn Initiative fehlt...


Tobias ahnt, dass es nicht an den Aufgaben liegt. Und nicht an der Kompetenz des Teams. Was aber läuft schief?


Wenn Initiative fehlt, liegt das meist an ungestillten Bedürfnissen, die im Alltag untergehen.


Denn Teams brauchen mehr als Arbeitsaufträge und Tools, um produktiv und engagiert zu arbeiten. Sie brauchen ein Umfeld, das sie ermächtigt, stärkt und schützt.



Erwartungen des Teams an die Führungskraft - jenseits der Jobbeschreibung


1. Unterstützung & Fürsorge

Mitarbeitende wollen gesehen und anerkannt werden - nicht nur für Ergebnisse, sondern als Mensch.

Sie spüren, ob ihre Leistung zählt oder ob sie einfach „funktionieren“ sollen. Und sie merken, ob ihre Führungskraft sich für sie interessiert - auch über fachliche Themen hinaus.


2. Entwicklung & Empowerment

Gute Mitarbeitende wollen wachsen. Sie möchten dazulernen, Verantwortung übernehmen, eigene Ideen einbringen. Aber das tun sie nur, wenn sie Raum dafür bekommen und wenn Fehler nicht bestraft, sondern als Teil des Lernens verstanden werden.


3. Vertrauen & Rückhalt

Teams brauchen Klarheit: Wo stehen wir? Was wird erwartet? Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Kommunikation, Offenheit und das Gefühl: „Meine Chef*in steht hinter mir.“


4. Offene Kommunikation und Einbindung des Teams

Erwartungen und Ziele sollen klar formuliert werden. Mitarbeitende wünschen sich einen partnerschaftlichen Führungsstil und möchten bei Entscheidungen einbezogen werden.


Orientierung und Klarheit hängen unmittelbar mit deiner Kommunikation zusammen. Mehr dazu liest du hier:



5. Wertschätzung und Fairness

Die Leistung jedes einzelnen soll gesehen und gewürdigt werden: eine positive Fehlerkultur und konstruktives Feedback sind Mitarbeitenden wichtig, ebenso wie ein fairer Umgang auf Augenhöhe



Viele Führungskräfte erleben genau an dieser Stelle eine schleichende Überforderung: Die Erwartungen des Teams wachsen - während Zeit, Unterstützung und Führungskapazität gleich bleiben oder sogar sinken. Wie sich aus dem bekannten Fachkräftemangel unbemerkt ein Führungskräftemangel entwickelt und warum diese stille Krise im Mittelstand lange unterschätzt wurde, habe ich hier eingeordnet:




Um die Erwartungen aus Team-Perspektive noch deutlicher zu machen, findest du hier eine kompakte Gegenüberstellung von Führungserwartung und dem dahinterliegenden Team-Bedürfnis:


Kurzübersicht der Erwartungen des Teams an die Führungskraft: Fürsorge und Unterstützung (als Mensch gesehen werden, echte Wertschätzung erfahren), Entwicklung und Empowerment (wachsen, Verantwortung übernehmen, Ideen einbringen), Vertrauen und Rückhalt (Orientierung, Sicherheit und eine positive Fehlerkultur), offene Kommunikation (Klarheit über Ziele, Erwartungen und Entscheidungen), Beteiligung und Einbindung (partnerschaftliches Arbeiten und Mitgestaltung) sowie Wertschätzung und Fairness (gerechte Behandlung, Anerkennung und konstruktives Feedback).



Was Tobias verändert


Nach dem Meeting bleibt Tobias noch sitzen.

Er denkt nach und trifft eine Entscheidung:

Ich muss nicht Energie ins Team pumpen. Ich muss Bedingungen schaffen, in denen Energie wieder entstehen kann.


Er startet eine kleine Gesprächsreihe mit jedem Einzelnen. Kein Feedbackgespräch, kein Leistungsgespräch, einfach die Frage:

„Was brauchst du, um hier gerne und gut zu arbeiten?“


Die Antworten überraschen ihn. Und sie bewegen etwas - auch in ihm.



Praxistipps für Führungskräfte


✅ Achte im Alltag auf leise Signale: Rückzug, fehlende Ideen, kurze Antworten: sie deuten auf ungesagte Bedürfnisse hin.

✅ Sprich diese Beobachtungen an - wertschätzend, offen, interessiert.

✅ Frage aktiv nach:

  • „Was gibt dir Energie?“

  • „Was fehlt dir gerade in unserer Zusammenarbeit?“

  • „Was müsste passieren, damit du dich hier voll einbringen kannst?“


Damit du Warnsignale im Team nicht übersiehst, lohnt sich ein Blick auf diese Übersicht:



Fazit: Wenn Teams leise werden, ist Führung gefragt


Menschen arbeiten nicht besser, wenn man mehr Druck macht.


Sie arbeiten besser, wenn sie gesehen, gehört und ernst genommen werden.


Die Erwartungen des Teams an die Führungskraft sind keine Wunschliste - sie sind der Schlüssel zu echter Zusammenarbeit. Wenn Tobias heute ins Teammeeting geht, ist er nicht mehr der Alleinunterhalter. Er ist Gastgeber für ein Gespräch, in dem sich Menschen zeigen dürfen - mit Ideen, Zweifeln, Fragen und Impulsen.


Das ist der erste Schritt zu echter Zusammenarbeit.



Fragebogen: Was erwartet mein Team von mir?

Du bist Führungskraft oder auf dem Weg dorthin und fragst dich, was dein Team eigentlich von dir erwartet?


Dieser kurze Self-Check hilft dir, genau das herauszufinden. Er zeigt dir, in welchen Bereichen du bereits Vertrauen und Orientierung gibst - und wo noch Potenzial zur Entwicklung steckt.


Nimm dir ein paar Minuten Zeit, beantworte 16 Fragen ganz ehrlich und intuitiv. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ - sondern nur die Chance, bewusster zu führen.



Die 16 Fragen des Self-Checks im Überblick: Bist du klar ansprechbar und erreichbar? Vermittelst du klare Ziele und Erwartungen? Kennst du die Stärken und Entwicklungswünsche deiner Mitarbeitenden? Hörst du aktiv zu ohne sofort zu bewerten? Gibst du regelmäßig wertschätzendes Feedback? Kommunizierst du transparent über Entscheidungen? Fragst du dein Team aktiv nach Ideen? Nimmst du dir Zeit für echte Einzelgespräche? Greifst du Konflikte frühzeitig auf? Bist du offen für „Ich weiß es nicht"? Nimmst du Kritik und abweichende Meinungen an? Schaffst du eine Fehlerkultur als Lernchance? Förderst du aktiv Entwicklung und Weiterbildung? Gehst du mit gutem Beispiel voran? Bist du fair in der Aufgabenverteilung? Gibst du Einblick in größere Zusammenhänge und Entscheidungen?



Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, über dein Führungsverhalten nachzudenken. Schon das ist ein starkes Signal an dein Team.


Wenn du nun siehst, wo du stehst - und wo du ansetzen möchtest - begleite ich dich gern auf diesem Weg. Wenn du Lust hast, weiter an deiner Führungspersönlichkeit zu arbeiten, findest du am Ende konkrete nächste Schritte.



Häufige Fragen zu den Erwartungen des Teams an die Führungskraft


Was sind die wichtigsten Erwartungen des Teams an die Führungskraft?

Teams erwarten von ihrer Führungskraft fünf Kernbereiche: Unterstützung und Fürsorge (als Mensch gesehen werden, nicht nur als Arbeitskraft), Entwicklung und Empowerment (wachsen und Verantwortung übernehmen dürfen), Vertrauen und Rückhalt (Klarheit und das Gefühl: „Meine Führungskraft steht hinter mir"), offene Kommunikation und Einbindung in Entscheidungen sowie Wertschätzung und Fairness inklusive konstruktivem Feedback.


Wie wichtig ist Vertrauen im Verhältnis zwischen Team und Führungskraft?

Vertrauen entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch offene Kommunikation, Klarheit über Ziele und aktive Einbindung des Teams. Es ist ein zentraler Baustein, weil es Mitarbeitenden Sicherheit und Orientierung gibt.


Was bedeutet Entwicklung und Empowerment für Mitarbeitende?

Teammitglieder möchten wachsen und sich weiterentwickeln. Sie wollen Verantwortung übernehmen, eigene Ideen einbringen und in ihrer Rolle gefördert werden - insbesondere in einem Umfeld, in dem Fehler als Lernchance gesehen werden.


Wie äußern Mitarbeitende ihre Erwartungen konkret?

Mitarbeitende geben ihre Erwartungen oft durch Fragen wie „Was brauche ich, um hier gerne und gut zu arbeiten?“ kund. Solche Rückfragen helfen Führungskräften, Bedürfnisse im Team besser zu verstehen und Zusammenarbeit aktiv zu gestalten.


Welche Rolle spielt Wertschätzung für Mitarbeitende?

Mitarbeitende wünschen sich, dass ihre Leistungen gesehen und anerkannt werden. Eine wertschätzende Haltung, konstruktives Feedback und ein fairer Umgang auf Augenhöhe stärken das Teamgefühl und die Zusammenarbeit.




Alle Beiträge der Serie „Erwartungen an Führungskräfte"


Der rote Faden der Serie - und das Vier-Perspektiven-Modell als Denkrahmen.


Erwartungen zwischen Ergebnisdruck, Verantwortung und Leadership - und wie du Prioritäten setzt.


Erwartungen des Teams verstehen - und mit Klarheit, Vertrauen und Entwicklung führen.


Erwartungen auf Augenhöhe: Zusammenarbeit stärken, Konkurrenz abbauen, Vertrauen aufbauen.


Eigene Erwartungen erkennen - und besser führen, ohne dich selbst zu blockieren.


Der Abschluss der Serie: Mit Klarheit, Struktur und Haltung in deine Rolle als Führungskraft wachsen.




👉 Du willst wissen, wie dein Team wirklich über deine Führung denkt?


Ich unterstütze dich gerne mit strukturiertem Feedback, Team-Workshops oder 360°- Feedback-Formaten.


Hier kannst du einen unverbindlichen Call mit mir vereinbaren - und wir besprechen, ob und wie ich dich unterstützen kann!





🎯  Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.

Deine Doris von Your Business Coach



Doris Lindner, dvct-zertifizierte systemische Coach für Führungskräfte im technischen Mittelstand, spezialisiert auf 360°-Feedback und Entwicklungsprogramme
Foto: Irmi Sinnesbichler

Autorin:


Doris Lindner ist dvct-zertifizierte systemische Coach und arbeitet seit 2006 mit Führungskräften im technischen Mittelstand. Sie war sechs Jahre in leitender Funktion tätig und Teil des Führungskreises eines Unternehmens mit über 500 Mitarbeitenden.

 

Heute konzipiert und führt sie Entwicklungsprogramme für Führungskräfte in KMU (50–1000 MA) durch - mit 360°-Feedback, Coaching und strukturierter Transferbegleitung. Zusammenarbeit u. a. mit Cubia AG und Hans-Seidel-Stiftung.

 

Im Blog schreibt sie über Mitarbeiterbindung, Führungskompetenz, Kommunikation und Anforderungen an Führung im Mittelstand.



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