top of page

Erwartungen an Führungskräfte: Was die Geschäftsführung wirklich erwartet

  • Autorenbild: Doris Lindner
    Doris Lindner
  • 15. Apr. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. März

Teil 2 der Serie „Erwartungen an Führungskräfte“

In dieser Serie beleuchten wir Erwartungen aus verschiedenen Perspektiven - von der Geschäftsführung über Teams bis hin zur eigenen Selbstwahrnehmung.



Kennst du das?


Die Geschäftsleitung fordert „mehr Führung“. Was genau das heißen soll, bleibt im Nebel. Die Zahlen müssen stimmen, das Team funktionieren, die Strategie umgesetzt werden. Am besten sofort.


Dann lies jetzt weiter. Denn viele Führungskräfte spüren den Druck von oben, wissen aber nicht, woran sie wirklich gemessen werden.


In diesem Beitrag erfährst du, welche Erwartungen die Chefetage an Führungskräfte hat - und warum sie so selten klar ausgesprochen werden.



Das Wichtigste in Kürze


  • Geschäftsleitungen fordern von Führungskräften eigenständiges Denken, Verantwortung und Entscheidungen ohne dauerndes Nachfragen.

  • Produktivität und Effizienz sollen im Team gesteigert werden; wirtschaftliches Führen mit Blick auf Budgets, Fristen und Ergebnisse zählt.

  • Führungskräfte sollen Unternehmensstrategien umsetzen und Veränderungen aktiv mitgestalten.

  • Soziale Kompetenzen wie Offenheit, Sensibilität und Teambezogenheit gewinnen zunehmend an Bedeutung.

  • Viele Führungskräfte sind fachlich stark, haben aber nicht bewusst gelernt, Teamdynamik, Konflikte, Selbstführung oder Kommunikation zu steuern.

  • Folge: Führungskräfte fühlen sich zwischen Druck von oben und Erwartungen von Mitarbeitenden zerrieben.

  • Empfehlung: Erwartungen klar mit der Geschäftsleitung klären und Entwicklung sozialer Kompetenzen sowie realistische Ziele vereinbaren.




Führungskraft Tobias sitzt im Meeting mit der Geschäftsführung und anderen Führungskräften - symbolisches Bild für hohe Erwartungen an Führungskräfte im KMU-Kontext
Wenn Erwartungen von oben Druck machen: Führungskräfte geraten im Meeting mit der Geschäftsführung oft zwischen die Fronten. - Bild: ChatGPT


Tobias im Gespräch mit der Chefetage


Tobias sitzt im Meeting mit der Geschäftsleitung. Es geht mal wieder um Projektpipeline, Ressourcenthemen und die Frage: Warum kommt sein Team nicht schneller voran?


Dann fällt dieser Satz: „Wir brauchen Führungskräfte, die liefern.“


Na super. Tobias hört das nicht zum ersten Mal. Was genau das heißt, bleibt wie immer offen - aber die Botschaft ist klar: Was auch immer in seinem Team nicht klappt: Es ist seine Verantwortung. Und es ist sein Job, alle Probleme aus der Welt zu schaffen. Ohne Wenn und Aber.



Welche Erwartungen die Geschäftsführung an Führungskräfte hat


Viele Geschäftsführer*innen mittelständischer Unternehmen - insbesondere in technischen Branchen - erwarten von ihren Führungskräften


  • Eigenständiges Denken und Handeln: Führungskräfte sollen Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und „nicht ständig nachfragen müssen“.

  • Leistungssteigerung im Team: Sie sollen die Produktivität steigern, Prozesse effizient halten und alle ihre (teils über-)ambitionierten Ziele erreichen.

  • Rentabilität sichern: Teams und Projekte sollen wirtschaftlich geführt werden, mit Blick auf Budgets, Fristen und Ergebnisse. Am Ende zählen Umsatz und Gewinne.

  • Strategien umsetzen: Führungskräfte sollen die Unternehmensziele in ihren Bereichen verwirklichen - ohne lange Diskussionen.

  • Veränderung treiben: Sie sollen den Wandel (zum Beispiel neue Technologien oder Marktanforderungen) mitgestalten und vorantreiben, auch wenn sie selbst davon verunsichert sind.

  • Soziale Kompetenzen einsetzen: Offenheit und Sensibilität werden zu einem wichtigen Kriterium. Immer weniger Mitarbeitende fühlen sich ihrem Arbeitgeber verbunden - die Wechselbereitschaft ist so hoch wie nie zuvor. Ein großes Problem in Zeiten des Fachkräftemangels.


Und das alles bitte parallel zum operativen Tagesgeschäft!


Der blinde Fleck: Die sozialen und persönlichen Kompetenzen


Das Problem: Viele dieser Führungskräfte - auch Tobias - haben nicht deshalb Karriere gemacht, weil sie sozial besonders kompetent waren. Sondern weil sie fachlich stark waren. Engagiert. Zuverlässig. Schnell.


Führung war der nächste logische Karriereschritt - aber kein bewusster.


Themen wie Teamdynamik, Konfliktlösung, Selbstführung oder Kommunikation? Spielten in ihrer bisherigen Laufbahn kaum eine Rolle.

Plötzlich sind sie aber entscheidend.


Und das ist das Dilemma:

  • Fachlich top, menschlich überfordert - und oft zu stolz, sich das einzugestehen.

  • Veränderung soll umgesetzt werden, aber niemand hat gezeigt, wie man dabei führt.

  • Druck von oben und Erwartungen von unten. Dazwischen sitzt Tobias. Allein.


Die Erwartungen der Geschäftsführung lassen sich in mehrere klar unterscheidbare Bereiche einordnen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Dimensionen typischerweise gemeint sind:



Erwartungen der Geschäftsführung an Führungskräfte: Klar formuliert und oft unausgesprochen



Das Dilemma: Die Erwartungen sind real, die Voraussetzungen fehlen


Was Geschäftsleitungen oft nicht sehen (oder nicht aussprechen):

  • Viele Führungskräfte wollen leisten - aber sie wissen nicht, wie.

  • Sie brauchen Orientierung, Rückhalt und Entwicklung - nicht Kontrolle und Schuldzuweisungen.

  • Führung ist kein Selbstläufer. Sie ist ein Handwerk, das gelernt werden muss.


Und dieses Handwerk war bisher kein Teil ihrer Karriere.


👉 Dieses Dilemma verstärkt, was aktuelle Studien zeigen: Führung im Mittelstand wird zunehmend zum Engpass. Warum das so ist und warum gute Führung zur Überlebensfrage wird, liest du hier Führung der Zukunft im Mittelstand.



Hinter diesen Erwartungen stehen klar definierbare Kompetenzbereiche:




Praxistipp: Erwartungen der Geschäftsführung an Führungskräfte klären und so zielgerichtete Führung ermöglichen


✅ Sprich aktiv mit deiner Geschäftsleitung über deine Rolle.

✅ Kläre, was konkret von dir erwartet wird - fachlich, wirtschaftlich, aber auch menschlich.

✅ Fordere ein, was du brauchst, um die Erwartungen der Geschäftsführung zu erfüllen:

  • Unterstützung in der Entwicklung sozialer Kompetenzen

  • Zeit und Raum für echte Führungsarbeit

  • Austausch mit anderen Führungskräften

  • Feedback, Rückhalt und Klarheit

  • Realistische Ziele



Häufige Fragen zu den Erwartungen der Geschäftsführung an Führungskräfte


1. Was erwartet die Geschäftsführung konkret von Führungskräften?

Die Geschäftsleitung erwartet, dass Führungskräfte eigenständig denken und handeln, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Sie sollen die Produktivität im Team steigern, Prozesse effizient halten und ambitionierte Ziele erreichen. Zu den Erwartungen gehören auch wirtschaftliche Ergebnisse, Strategien umsetzen und Wandel vorantreiben - alles parallel zum operativen Tagesgeschäft.


2. Welche sozialen und persönlichen Kompetenzen werden von Führungskräften erwartet?

Neben fachlichen und wirtschaftlichen Erwartungen sind Offenheit, Sensibilität und soziale Kompetenz wichtig. Mitarbeitende fühlen sich heute weniger an Arbeitgeber gebunden, und Führungskräfte müssen mit dieser hohen Wechselbereitschaft umgehen können.


3. Warum werden viele Erwartungen der Geschäftsleitung selten klar ausgesprochen?

Weil Führungskräfte oft aus fachlicher Stärke in die Rolle gekommen sind, aber kaum Vorbereitung auf Teamdynamik, Konfliktlösung oder Selbstführung erhalten haben. Diese blinden Flecken führen dazu, dass Erwartungen zwar real sind, aber nicht offen formuliert werden.


4. Was ist das zentrale Dilemma für viele Führungskräfte im Umgang mit den Erwartungen der Geschäftsführung?

Viele Führungskräfte wissen, was erwartet wird, aber nicht, wie sie es umsetzen sollen. Sie benötigen Orientierung, Rückhalt und Entwicklung - nicht Kontrolle und Schuldzuweisungen. Führung ist ein Handwerk, das gelernt werden muss, wurde aber oft nicht Teil ihrer Karriereentwicklung.


5. Wie können Führungskräfte die Erwartungen der Geschäftsführung besser klären?

Führungskräfte sollten aktiv mit der Geschäftsleitung über ihre Rolle sprechen und klären, was konkret erwartet wird - fachlich, wirtschaftlich und menschlich. Sie brauchen Unterstützung bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen, Zeit für echte Führungsarbeit, Austausch mit anderen Führungskräften sowie Feedback und realistische Ziele.



Fazit: Führung braucht Entwicklung und Fokus


Tobias erkennt: Führen heißt nicht, alles allein zu machen - sondern die eigene Führungsrolle zu gestalten - klar, bewusst und wirksam.


Und das geht nur, wenn Geschäftsleitung und Führungskräfte gemeinsam klären, was Erfolg bedeutet und was Führung dafür braucht.


Und das braucht Zeit zur Entwicklung.



👉 Du willst mit deiner Geschäftsleitung ins Gespräch kommen, aber weißt nicht wie?


Ich begleite dich gerne dabei - in Coachings oder in unserem Entwicklungsprogramm für Führungskräfte.


Du möchtest erstmal feststellen, wie gut du die Erwartungen an dich erfüllst? Ein 360° Feedback gibt dir wichtige Erkenntnisse und gemeinsam erarbeiten wir deine nächsten Schritte.


Hier kannst du ein unverbindliches Kennenlern-Gespräch vereinbaren und wir besprechen, ob und wie ich dich unterstützen kann







🎯  Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.

 Deine Doris von Your Business Coach



Doris Lindner, dvct-zertifizierte systemische Coach für Führungskräfte im technischen Mittelstand, spezialisiert auf 360°-Feedback und Entwicklungsprogramme
Foto: Irmi Sinnesbichler

Autorin:


Doris Lindner ist dvct-zertifizierte systemische Coach und arbeitet seit 2006 mit Führungskräften im technischen Mittelstand. Sie war sechs Jahre in leitender Funktion tätig und Teil des Führungskreises eines Unternehmens mit über 500 Mitarbeitenden.

 

Heute konzipiert und führt sie Entwicklungsprogramme für Führungskräfte in KMU (50–1000 MA) durch - mit 360°-Feedback, Coaching und strukturierter Transferbegleitung. Zusammenarbeit u. a. mit Cubia AG und Hans-Seidel-Stiftung.

 

Im Blog schreibt sie über Mitarbeiterbindung, Führungskompetenz, Kommunikation und Anforderungen an Führung im Mittelstand.




bottom of page