Erwartungen an Führungskräfte unter Kolleg*innen: Konkurrenz abbauen, Vertrauen stärken
- Doris Lindner

- 6. Mai 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Feb.
Teil 4 der Serie „Erwartungen an Führungskräfte“
In dieser Serie beleuchten wir Erwartungen aus verschiedenen Perspektiven - von der Geschäftsführung über Teams bis hin zur eigenen Selbstwahrnehmung.
Das Wichtigste in Kürze
Führungskräfte in KMU koordinieren zwar gemeinsam, sprechen aber selten über ihre Rolle und Herausforderungen.
Unter Führungskräften entsteht oft Konkurrenz statt Zusammenarbeit, weil Druck, Ressourcenstress und Ergebnisverantwortung dominieren.
Erwartungen unter Kolleg*innen sind meist unausgesprochen, aber spürbar: Fokus aufs Große Ganze, Verlässlichkeit, Konfliktfähigkeit, gegenseitiger Respekt und Wissensaustausch.
Direkter Austausch über Führungserfahrungen schafft Vertrauen und gemeinsame Perspektiven.
Kleine informelle Gespräche ohne feste Agenda helfen, kollegiale Beziehungen zu stärken.
Gemeinsame Reflexion über Herausforderungen reduziert Konkurrenzdenken und fördert Zusammenarbeit.
Kennst du das?
Alle Führungskräfte sitzen im selben Meeting, aber eigentlich kämpft jede*r für sich. Kein Austausch. Kaum Vertrauen. Und wenn’s eng wird, wird’s still.
Man arbeitet nebeneinander. Nicht miteinander.
Und irgendwann stellst du dir die Frage:
Welche Erwartungen haben Führungskräfte eigentlich untereinander?
Und warum scheitert kollegiale Führung so oft – obwohl doch alle „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten sollen?
Denn auch unter Kolleg*innen gibt es Erwartungen.
Unausgesprochene. Unausgeglichene. Unterschätzte.
In diesem Beitrag erfährst du, was Führungskräfte voneinander erwarten, warum diese Erwartungen so selten klar benannt werden - und wie du souverän und kollegial zugleich handeln kannst.

Inhaltsangabe
Warum Führung unter Kolleg*innen oft nebeneinander statt miteinander läuft
Konkurrenz und Druck unter Führungskräften im Mittelstand
Wenn der Druck steigt, wird die Luft dünner
Welche Erwartungen Führungskräfte untereinander haben – aber selten sagen
Wie Tobias den ersten Schritt geht
Was daraus entsteht: Vertrauen. Resonanz. Verbindung.
Praxistipps für Führungskräfte: So förderst du kollegiale Führungsbeziehungen
Warum Führung unter Kolleg*innen oft nebeneinander statt miteinander läuft
Tobias sitzt in der Abteilungsleiter-Runde.
Es geht - wie so oft - um Projektverzögerungen, Ressourcenengpässe und offene Stellen, die seit Monaten nicht besetzt sind.
Jede*r berichtet aus dem eigenen Bereich, verteidigt das eigene Budget und vertritt teils lautstark die eigenen Interessen. Dann geht man wieder auseinander.
Kein Austausch.
Keine Rückfragen.
Keine Idee, die über das eigene Zuständigkeitsfeld hinausgeht.
Nur ein kurzer Seitenblick, ein genervtes Seufzen. Und dann: Business as usual.
Tobias fragt sich zum ersten Mal:
Warum reden wir eigentlich nie darüber, wie es uns in unserer Rolle als Führungskraft geht? Warum machen wir so weiter - nebeneinander statt miteinander?
Konkurrenz und Druck unter Führungskräften im Mittelstand
In vielen Unternehmen - vor allem in KMUs - führen Führungskräfte parallel, aber nicht gemeinsam.
Sie tragen Verantwortung, treffen Entscheidungen, jonglieren mit operativen und strategischen Zielen. Aber das tun sie oft allein.
Sie...
koordinieren sich in Meetings, aber sprechen kaum über Führung.
erleben ähnliche Herausforderungen, aber teilen keine Lösungen.
stehen unter Druck - zeigen aber keine Schwäche, um das Gesicht nicht zu verlieren.
vergleichen sich und stehen im Wettbewerb, statt voneinander zu lernen.
So entsteht kein Team. Sondern Konkurrenz.
Erwartungen unter Führungskräften - was auf gleicher Ebene wirklich zählt
Fachkräftemangel, Zeitdruck, überlastete Teams: der Druck steigt.
Und mit ihm das Konfliktpotenzial.
Was vorher nur leises Schweigen war, wird plötzlich spürbar:
Sticheleien, subtile Schuldzuweisungen, offener Widerstand
Gegeneinander statt miteinander.
Ein Kampf um Ressourcen, Anerkennung oder die „bessere“ Lösung - auf Kosten der Zusammenarbeit, des Vertrauens und des wirtschaftlichen Erfolgs.
Eine Studie zum mittleren Management bestätigt:
Mehr als 54 % der befragten Führungskräfte empfinden Kolleg*innen auf gleicher Hierarchiestufe als größte Belastung.
Machtspiele, Positionskämpfe und Ressourcenstress belasten oft mehr als der Druck von oben. (Quelle: ComTeam Studie 2011)
Die Unterschiede zwischen Konkurrenzkultur und kollegialer Führung sind deutlich:
Welche Erwartungen Führungskräfte untereinander haben, aber selten sagen
Diese Erwartungen unter Führungskräften sind selten formalisiert - aber sie wirken. Die folgende Übersicht macht sie sichtbar:
Führung auf Augenhöhe braucht mehr als operative Abstimmung. Sie braucht Klarheit.
Diese Erwartungen sind selten schriftlich formuliert - aber in jedem System spürbar:
Teamgeist und Abstimmung
Führungskräfte sollen "das große Ganze" im Blick haben - bereichsübergreifende Ziele sollen gemeinsam verfolgt werden - kein Silodenken!
Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein
Absprachen halten, Fristen respektieren, Herausforderungen früh ansprechen - das macht Zusammenarbeit möglich
Konfliktfähigkeit und gegenseitiger Respekt
Auch wenn es kracht: Eine gute Führungskraft schafft es sachlich zu bleiben, Kompromisse zu finden und respektvoll mit ihrem Gegenüber umzugehen. Und auch dann konstruktiv zusammenzuarbeiten, wenn eine Entscheidung gegen die eigenen Vorschläge getroffen wurde. Wer so kommuniziert und agiert, schafft es, eine offene und kooperative Beziehung beizubehalten.
Austausch von Wissen und Unterstützung
Niemand führt perfekt - aber gemeinsam geht’s leichter. Geteiltes Wissen ist keine Schwäche, sondern eine Ressource
Wie Tobias den ersten Schritt geht
Nach einem besonders herausfordernden Monat spricht Tobias einen Kollegen nach dem Meeting an. „Geht’s dir eigentlich auch manchmal so, dass du dich in der Führungsrolle völlig allein fühlst?“
Der Kollege zögert. Dann nickt er. „Dauernd. Aber das sagt halt keiner.“
Sie reden zum ersten Mal ehrlich.
Über Druck. Über Unsicherheit. Über das Gefühl, Erwartungen nicht gerecht zu werden. Und auch darüber, wie wenig sie miteinander über Führung sprechen - obwohl sie im selben Boot sitzen.
Kollegialer Austausch ist kein Luxus. Kollegialer Austausch ist gelebte Führungskultur.
Was daraus entsteht: Vertrauen. Resonanz. Verbindung.
Tobias merkt:
Der Austausch bringt nicht nur Erleichterung – sondern neue Perspektiven.
Er beginnt, regelmäßig kurze, informelle Runden mit zwei Kolleg*innen zu organisieren.
Kein Protokoll. Keine Agenda. Nur echte Fragen:
Was hat bei dir diese Woche gut funktioniert?
Womit kämpfst du gerade in deinem Team?
Was brauchst du, um als Führungskraft gut arbeiten zu können?
Langsam verändert sich die Atmosphäre.
Aus Nebeneinander wird Miteinander.
Aus Unsicherheit entsteht Vertrauen.
Praxistipp für Führungskräfte: So förderst du kollegiale Führungsbeziehungen
✅ Sprich deine Kolleg*innen gezielt an - nicht nur über Inhalte, sondern über die Führungsrolle.
✅ Organisiere eine regelmäßige „Führungspause“: 30 Minuten kollegialer Austausch, ohne Agenda, ohne Bewertung.
✅ Lass dich inspirieren statt entmutigen: Was funktioniert bei anderen, das du ausprobieren könntest?
FAQ: Erwartungen unter Führungskräften - kurz erklärt
1. Welche Erwartungen haben Führungskräfte untereinander in ihrer Zusammenarbeit?
Führungskräfte erwarten, dass sie über operative Abstimmung hinaus Teamgeist zeigen, verlässlich sind, Verantwortung übernehmen, Konflikte sachlich lösen und Wissen sowie Unterstützung teilen.
2. Warum läuft Zusammenarbeit unter Führungskräften oft unkoordiniert ab?
Weil sie sich meist auf ihre eigenen Bereiche konzentrieren, wenig über Führung sprechen und eher konkurrieren als gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
3. Was kann den Austausch zwischen Führungskräften verbessern?
Gezielte persönliche Gespräche über Führungsrollen und informelle, regelmäßige Austauschformate ohne feste Agenda stärken Vertrauen und gemeinsame Perspektiven.
4. Welche unausgesprochenen Erwartungen prägen den Umgang unter Führungskräften?
Erwartungen wie bereichsübergreifende Orientierung, Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit, gegenseitiger Respekt und Wissensaustausch sind spürbar, aber selten klar benannt.
5. Wie beeinflusst kollegialer Austausch die Führungsbeziehungen?
Er führt zu Vertrauen, Resonanz und Verbindung, macht Herausforderungen sichtbar und erleichtert gemeinsames Lernen und Zusammenarbeit.
Fazit: Führung gelingt nicht allein
Die Erwartungen an Führungskräfte sind heute hoch - aber du musst sie nicht allein stemmen. Gerade in KMUs, wo keine große HR-Abteilung Struktur und Austausch vorgibt, liegt es oft an den Führungskräften selbst, Räume dafür zu schaffen und Verbündete zu finden.
Tobias hat erkannt:
Nicht nur sein Team braucht Klarheit und Rückhalt.
Er auch. Und seine Kolleg*innen ebenso.
👉 Du möchtest einen kollegialen Austausch bei euch im Unternehmen etablieren - weißt aber nicht, wie du starten sollst?
Ich begleite euch gerne mit moderierten Führungsrunden, Coachingformaten oder als externe Sparringspartnerin.
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🎯 Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.
Deine Doris von Your Business Coach

Autorin:
Doris Lindner ist dvct-zertifizierte systemische Coach und arbeitet seit 2006 mit Führungskräften im technischen Mittelstand. Sie war sechs Jahre in leitender Funktion tätig und Teil des Führungskreises eines Unternehmens mit über 500 Mitarbeitenden.
Heute konzipiert und führt sie Entwicklungsprogramme für Führungskräfte in KMU (100–1000 MA) durch - mit 360°-Feedback, Coaching und strukturierter Transferbegleitung. Zusammenarbeit u. a. mit Cubia AG und Hans-Seidel-Stiftung.
Im Blog schreibt sie über Mitarbeiterbindung, Führungskompetenz, Kommunikation und Anforderungen an Führung im Mittelstand.



