Führung in Krisenzeiten: Warum weniger Menschen nicht weniger Führung bedeuten
- Doris Lindner

- vor 4 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Warum Krise, KI und Entlassungen die Führungsprobleme verschärfen - besonders im Mittelstand
Zusammenfassung in Kürze:
In Krisenzeiten steigt der Bedarf an Orientierung, Stabilität und klarer Führung – auch wenn Stellen abgebaut werden. Wenn Menschen gehen, verteilen sich Unsicherheit, Verantwortung und Mehrarbeit auf weniger Schultern. In technisch geprägten KMU wird diese Belastung besonders sichtbar.
KI verschärft diese Dynamik zusätzlich: klassische Lern- und Einstiegsrollen fallen weg, natürliche Entwicklungspfade verschwinden. Ohne systematische Führungskräfteentwicklung entsteht ein doppelter Engpass: Erfahrene Führungskräfte scheiden aus, Nachwuchs entsteht kaum – und die Bereitschaft, Führungsaufgaben zu übernehmen, sinkt in Krisen weiter.
Das Ergebnis: Führung in Krisenzeiten wird zum zentralen Engpass im Mittelstand. Führung entsteht nicht zufällig und lässt sich nicht automatisieren – sie muss bewusster entwickelt werden als je zuvor.

Inhaltsangabe
1.Der scheinbare Widerspruch: Warum Führung in Krisenzeiten wichtiger wird, nicht weniger
2. Wenn Menschen gehen: Was Führung in Krisenzeiten wirklich auffangen muss
3. Führung in Krisenzeiten und KI: Warum Technologie Verantwortung nicht ersetzt
4. Warum Führung in Krisenzeiten besonders den Nachwuchs trifft
5. Der eigentliche Kipppunkt: Führung in Krisenzeiten ohne Nachwuchs
6. Warum Führung in Krisenzeiten tiefer gedacht werden muss
7. Führung in Krisenzeiten ist kein Zukunftsthema - sie entscheidet sich jetzt
1.Der scheinbare Widerspruch: Warum Führung in Krisenzeiten wichtiger wird, nicht weniger
Überall werden Stellen abgebaut, Budgets gekürzt, Projekte gestoppt. Viele würden erwarten, dass mit weniger Menschen auch weniger Führungsaufwand entsteht. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Wenn Strukturen wackeln und Unsicherheit steigt, braucht es mehr Führung - nicht weniger.
Weniger Mitarbeitende bedeutet nicht weniger Führungsaufwand. Es bedeutet:
weniger Puffer
weniger Orientierung
weniger Halt
Kurz: In Krisenzeiten steigt der Bedarf an Führung - massiv.
In meiner Arbeit mit technisch geprägten KMU und Mittelstandsunternehmen - besonders hier im Großraum München - erlebe ich genau diesen Effekt immer häufiger.
2. Wenn Menschen gehen: Was Führung in Krisenzeiten wirklich auffangen muss
Stellenabbau schafft keine Ruhe. Er verschiebt Lasten - auf die, die bleiben.
Wenn Menschen gehen müssen, verändert sich nicht nur die Aufgabenverteilung. Es verändert die Atmosphäre, die Zusammenarbeit, die Wahrnehmung von Sicherheit.
Die Verbleibenden tragen plötzlich doppelt:
Mehrarbeit
Verantwortung für laufende Projekte
Sorge, selbst betroffen zu sein
Loyalitätskonflikte gegenüber Kolleg:innen
Und Führungskräfte? Sie stehen zwischen allen Stühlen:
wirtschaftliche und unternehmerische Verantwortung - trotz eigener Belastung
Umsetzung von Entlassungen, die sie persönlich treffen
Orientierung geben, obwohl sie selbst kaum Orientierung bekommen
Stabilität erzeugen unter massivem Druck
Puffer sein für das Team, während sie selbst betroffen sein könnten
Krisen sind Momente, in denen Menschen nach oben schauen.
Sie suchen Halt, Klarheit und jemanden, der einordnet.
Wenn genau dann Führung ausdünnt, entsteht ein Vakuum - und das bleibt nicht leer. Es füllt sich automatisch mit Sorgen, Gerüchten und Rückzug.
Und genau hier zeigt sich ein übersehener Effekt: Weil Führung in Krisenzeiten so anspruchsvoll ist, sinkt die ohnehin geringe Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen, noch weiter. Wer sieht, wie belastend Führung unter Druck ist, rückt seltener nach.
Das verschärft die Herausforderungen der Führung in Krisenzeiten und erschwert den Aufbau von Nachwuchsführungskräften.
3. Führung in Krisenzeiten und KI: Warum Technologie Verantwortung nicht ersetzt
2026/27 verändert KI nicht nur Prozesse, sondern auch die Wege in die Führung.
KI übernimmt:
Analyse
Recherche
Standardentscheidungen
repetitive Aufgaben
Was dadurch entfällt:
klassische Einstiegsrollen
alltägliche Lernschritte
natürliche Entwicklungspfade
Früher sind Mitarbeitende nebenbei in Führung hineinwachsen - mit kleinen Aufgaben, Verantwortungsschnipseln, alltäglichen Lernmomenten.
Heute bricht genau dieser Weg weg.
„Führung ist nie von selbst entstanden - aber heute braucht es deutlich mehr bewusste Entwicklung, weil natürliche Lernwege wegfallen.“
KI nimmt Last von Prozessen, aber keine Last von Schultern. Konflikte, Unsicherheit und Teamdynamiken sind nicht automatisierbar.
Damit steigt der Bedarf an guter Führung - nicht trotz KI, sondern wegen ihr.
4. Warum Führung in Krisenzeiten besonders den Nachwuchs trifft
Viele akademische Einstiegsrollen waren nie Endstation. Sie waren Trainingsfelder:
Recherchen
Junior-Analysen
Vor- und Nachbereitung von Entscheidungen
Zuarbeiten für Führungskräfte
Genau diese Rollen geraten durch KI und Kostendruck in Krisenzeiten als Erste unter Druck.
Konsequenzen:
weniger Einstiege
weniger Lernschritte
weniger Entwicklung
weniger zukünftige Führungskräfte
Das ist keine Arbeitsmarktklage.
Es ist eine Führungswarnung - besonders im Mittelstand, der auf eine stabile Pipeline an Nachwuchsführungskräften angewiesen ist.
5. Der eigentliche Kipppunkt: Führung in Krisenzeiten ohne Nachwuchs
Wir laufen auf einen doppelten Engpass zu:
Erfahrene Führungskräfte verlassen Unternehmen.
Nachwuchs fehlt.
Wissen verschwindet.
Verantwortung konzentriert sich.
Führung lässt sich nicht outsourcen. Auch nicht an KI.
Unternehmen, die nur auf Fachkräfte schauen, übersehen das eigentliche Risiko:
Den Engpass in den Köpfen, nicht in den Händen.
6. Warum Führung in Krisenzeiten tiefer gedacht werden muss
Wenn du verstehen willst, warum sich dieser Engpass schon lange vor der aktuellen Krise abgezeichnet hat und weshalb der Fachkräftemangel oft nur das sichtbare Symptom ist, lies hier weiter:
👉 Vom Fachkräftemangel zum Führungskräftemangel - die stille Krise im Mittelstand
7. Führung in Krisenzeiten ist kein Zukunftsthema - sie entscheidet sich jetzt
Führung entwickelt sich nicht von selbst.
Schon gar nicht in Krisenzeiten, in technischen Bereichen oder im Mittelstand.
Wenn Unternehmen Führung in Krisenzeiten heute nicht gezielt stärken, verschärfen sich bestehende Führungsprobleme schleichend – bis sie nicht mehr korrigierbar sind.
Denn Führung lässt sich nicht kurzfristig einkaufen - weder am Markt noch intern.
Krisen erzwingen schnelle Entscheidungen.
Ob diese langfristig tragen, ist eine Frage der Führung.
👉 Wenn du tiefer verstehen willst, warum Führungsprobleme nicht erst in der Krise entstehen, sondern dort nur sichtbar werden, findest du die Hintergründe im Grundlagenartikel.
FAQs zu Führung in Krisenzeiten
1. Warum steigt der Bedarf an Führung in Krisenzeiten?
In Krisenzeiten steigt der Bedarf an Orientierung, Klarheit und Stabilität. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen. So entsteht ein doppelter Druck auf Teams und Unternehmen.
2.Warum führt Stellenabbau zu mehr Führungsaufwand?
Stellenabbau verschiebt Lasten auf die Verbleibenden. Sie tragen mehr Verantwortung, mehr Unsicherheit und mehr emotionale Belastung. Führung muss stärker stabilisieren, einordnen und Halt geben.
3. Wie verändert KI die Anforderungen an Führung in Krisenzeiten?
KI übernimmt viele operative Aufgaben, aber keine zwischenmenschliche Verantwortung. Gleichzeitig fallen Lernpfade weg, über die früher Führung entstanden ist. Dadurch steigt der Bedarf an aktiver Führungskräfteentwicklung.
4.Warum ist Führung in Krisenzeiten in KMU besonders herausfordernd?
Technische KMU haben oft kleine Führungsspannen und wenige interne Nachfolger. Viele Mitarbeitende sind stark fachlich orientiert und scheuen die Belastung von Führung. Zudem fehlt häufig eine systematische, geplante Führungskräfteentwicklung.
5. Was können Unternehmen tun, um trotz Krise Menschen für Führung zu gewinnen?
Klare Erwartungen, realistische Einblicke, begleitete Entwicklungswege und echte Unterstützung. Menschen übernehmen Verantwortung, wenn sie wissen, dass sie nicht allein gelassen werden.
6. Wie kann Führung in Krisenzeiten stabilisiert werden?
Durch regelmäßige Gespräche, klare Prioritäten, verlässliche Kommunikation und Rückhalt durch die Geschäftsleitung. Führung braucht Struktur - besonders in unsicheren Zeiten.
7. Welche Risiken entstehen, wenn Unternehmen die Führungsherausforderungen ignorieren?
Teams verlieren Stabilität, Wissen geht verloren, Fluktuation steigt und Entscheidungen hängen an Einzelpersonen. Unternehmen werden langfristig anfälliger.
🎯 Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.
Deine Doris von Your Business Coach

Autorin:
Doris ist erfahrene Leadership-Trainerin und systemische Business Coach mit einem Herz für KMUs. Aufgewachsen in einem Familienunternehmen, weiß sie, wie entscheidend gute Führung für den Erfolg eines Teams ist.
Aus eigener Erfahrung als Führungskraft auf Bereichsleiterebene kennt sie die täglichen Herausforderungen von Führung - besonders in technischen Unternehmen. Sie hilft Führungskräften, Vertrauen aufzubauen, Mitarbeiter zu halten und echte Leadership-Skills zu entwickeln.


