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Kündigungsgespräch führen: Was tun, wenn Tränen kommen?

  • Autorenbild: Doris Lindner
    Doris Lindner
  • vor 2 Tagen
  • 12 Min. Lesezeit

Du weißt, dass du das Gespräch führen musst. Seit Tagen.


Vielleicht seit dem Moment, als die Entscheidung gefallen ist. Und seitdem läuft im Hintergrund ein Film ab, den du dir lieber nicht anschaust: Wie du es sagst. Wie er oder sie reagiert. Was passiert, wenn Tränen kommen.


Genau das höre ich immer wieder von Führungskräften – in Coachings, nach schwierigen Wochen, oft fast beiläufig: „Das Gespräch nächste Woche... das macht mir ehrlich gesagt Bauchschmerzen."


Kein Wunder. Ein Kündigungsgespräch ist eine der härtesten Situationen, die Führungskräfte kennen. Nicht weil die Worte schwer zu finden sind. Sondern weil du einer Person gerade etwas wegnimmst – und dabei professionell und menschlich bleiben sollst.


Gleichzeitig.


Dieser Beitrag hilft dir, dich vorzubereiten: auf das Gespräch, auf die Emotionen und auf den Moment, in dem Tränen kommen. Denn der kommt häufiger, als die meisten ahnen.



Was dieser Beitrag ist – und was nicht


Rechtliche Fragen rund um Kündigung – Fristen, Abfindung, Sozialauswahl, Zeugnisformulierungen – sind nicht Thema dieses Artikels. Dafür gibt es Arbeitsrechtler und spezialisierte HR-Beratung, die ich guten Gewissens empfehle.


Dieser Beitrag konzentriert sich auf das, was rechtliche Leitfäden meist auslassen: die menschliche Seite des Gesprächs. Haltung, Emotionen, Präsenz.



Das Wichtigste in Kürze


  • Die Angst vor dem Gespräch ist normal – du darfst sie mitbringen

  • Vorbereitung bedeutet: Klarheit in der Haltung, nicht nur im Ablauf

  • Das Setting ist keine Nebensache – es ist Respekt

  • Wenn Tränen kommen: Ruhe, Schweigen, Präsenz – keine schnellen Lösungen

  • Das Gespräch hat einen Punkt, an dem es weitergeht – auch wenn Emotionen auftauchen

  • Nach dem Gespräch: Was mit dir passiert, darf auch sein



Führungskraft sitzt nachdenklich am Schreibtisch vor einem Kündigungsgespräch – Laptop geschlossen, Blick in die Ferne
Ein Kündigungsgespräch vorzubereiten bedeutet nicht nur, die richtigen Worte zu finden - sondern auch, die richtige Haltung zu finden. Das ist oft das Schwerste.



Warum Kündigungsgespräche so schwer fallen


Die Zeit davor


Es ist nicht das Gespräch selbst, das Führungskräfte lähmt.


Es ist die Zeit davor.


Die Tage, in denen man weiß, was kommt. In denen man die Person im Flur sieht und denkt: Die weiß noch nicht, was ich weiß. In denen man abends überlegt, ob man es vielleicht doch anders formulieren kann. Weicher. Schonender. Irgendwie weniger endgültig.


Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist ein Zeichen, dass du die Person als Mensch siehst. Aber es hat auch eine Kehrseite: Wer zu lange wartet, zu viel abmildert oder im Gespräch ins Schwanken gerät, macht es am Ende für beide schwerer. Nicht leichter.


Dazu kommt: Die meisten Führungskräfte führen dieses Gespräch ohne jede Vorbereitung. Laut Kienbaum-Studie „Trennungsmanagement 4.0" werden zwei Drittel der Führungskräfte, die Trennungsgespräche führen sollen, nicht darauf vorbereitet. Kein Training, kein Leitfaden, kein Sparringspartner. Einfach: mach mal.


Kein Wunder, dass die Angst so groß ist.


Was den Druck erzeugt


Was Führungskräfte in dieser Situation besonders belastet, sind vier Dinge:


Schuldgefühle – auch wenn die Entscheidung objektiv richtig ist. Wer kündigt, fühlt sich oft verantwortlich für die Konsequenzen, die er nicht kontrollieren kann: Wie findet die Person einen neuen Job? Was macht das mit ihrer Familie? Dieses Mitdenken ist menschlich. Aber es gehört nicht ins Gespräch.


Loyalitätskonflikte – besonders dann, wenn man die Person mag, lange zusammengearbeitet hat oder sie selbst eingestellt hat. Die Kündigung fühlt sich dann fast wie Verrat an.


Angst vor der Reaktion – und das ist der Punkt, an dem die meisten wirklich feststecken. Nicht: Was sage ich? Sondern: Was passiert, wenn sie weint? Wenn er ausrastet? Wenn sie mich fragt, warum ich das nicht früher gesagt habe?


Kündigen auf Anweisung – gerade aktuell in vielen Unternehmen Realität: Die Kündigung ist nicht deine eigene Entscheidung - zumindest nicht vollständig. Wirtschaftlicher Druck, Umstrukturierungen, Stellenabbau. Manchmal stehst du hinter der Notwendigkeit, weil du die Zahlen kennst, die Lage einschätzen kannst, die Alternativen gesehen hast. Manchmal stehst du nicht dahinter und musst trotzdem in dieses Gespräch.


Und manchmal ist es noch eine Stufe härter: Du musstest selbst entscheiden, wen es trifft. Nicht nur überbringen, sondern auswählen. Das ist ein eigener Stressor, der oft unsichtbar bleibt. Nach außen sieht es aus wie ein Gespräch. Innen hast du vielleicht wochenlang abgewogen, verglichen, mit dir gerungen.


Das alles ist Druck. Und er kommt mit ins Gespräch - ob du willst oder nicht.


Der häufigste Fehler: „Das kam von oben"


Genau in diesem Druck passiert einer der häufigsten Fehler, den Führungskräfte in Kündigungsgesprächen machen: Sie distanzieren sich von der Entscheidung. „Das kam von oben." „Ich hatte da keinen Einfluss." „Ich finde das selbst nicht gut."


Der Gedanke dahinter ist verständlich: Man will nicht als der Böse dastehen. Man will die Beziehung schützen. Man hofft, dass die andere Person versteht, dass man selbst ein Opfer der Umstände ist.


Aber es funktioniert nicht. Es macht die Situation für die andere Person nicht besser - es macht sie verwirrender. Wem soll sie jetzt noch vertrauen? Und es untergräbt deine eigene Glaubwürdigkeit: Wenn du die Entscheidung nicht vertrittst, warum sitzt du dann hier?


Das bedeutet nicht, dass du die Entscheidung gut finden musst. Aber du musst sie vertreten können. Der Unterschied: „Ich finde das nicht gut" ist Sabotage. „Das ist eine schwierige Entscheidung, und ich stehe dazu" ist Haltung.


Wenn du das nicht kannst - wenn du wirklich nicht hinter der Entscheidung stehen kannst - dann ist das ein Gespräch, das du vorher mit deinen Vorgesetzten führen musst. Nicht mit der Person, die gekündigt wird.



Das Setting: Kein Zufall, sondern Entscheidung


Wo und wann du das Gespräch führst, ist keine Nebensache.


Ein Kündigungsgespräch braucht einen Rahmen, der der Situation gerecht wird. Das klingt selbstverständlich - und wird trotzdem regelmäßig unterschätzt.


Ruhiger Raum, geschlossene Tür. 

Kein Großraumbüro, kein Besprechungsraum mit Glaswand, kein Ort, an dem die Person beobachtet werden kann - weder während des Gesprächs noch danach, wenn sie den Raum verlässt.


Kein Handy auf dem Tisch. 

Kein Laptop, der aufgeklappt bleibt. Keine Unterbrechungen. Das Gespräch bekommt die volle Aufmerksamkeit - von dir.


Zeitpuffer einplanen. 

Nicht direkt vor dem nächsten Termin. Nicht freitags kurz vor 17 Uhr, wenn die Person dann allein ins Wochenende geht. Nicht montags früh, wenn die ganze Woche noch vor ihr liegt. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt, aber es gibt eindeutig schlechte.


Die Person sollte das Gebäude danach würdevoll verlassen können. 

Denk kurz daran, wann das Gespräch endet und wie der Weg nach draußen aussieht. Nicht an fünf Kollegen vorbei, wenn sie gerade geweint hat.


HR dabei - ja oder nein?


In größeren Unternehmen ist es üblich, dass jemand aus der Personalabteilung beim Kündigungsgespräch dabei ist. Das hat seinen Sinn: HR kann rechtliche Fragen zu Fristen, Abwicklung und Zeugnis direkt beantworten und sorgt für eine neutrale Instanz im Raum.

Im Mittelstand sieht die Realität oft anders aus. Eine eigene HR-Abteilung gibt es nicht immer - und wenn doch, ist sie oft so klein, dass sie selbst mitten im Geschehen steckt, gerade dann wenn es um Stellenabbau geht.


Die Faustregel: Je größer das Eskalationsrisiko, desto sinnvoller ist eine Begleitung. Bei einer betriebsbedingten Kündigung nach langer Betriebszugehörigkeit oder wenn du die Reaktion der Person schwer einschätzen kannst - hol jemanden dazu. Bei einem ruhigen, absehbaren Gespräch kannst du es auch alleine führen.


Was du auf keinen Fall tun solltest: HR schicken und selbst fernbleiben. Das Gespräch ist Führungsaufgabe. Punkt.


Das richtige Setting für ein Kündigungsgespräch umfasst: einen ruhigen Raum mit geschlossener Tür und ohne Glaswand, damit die Person das Gebäude danach unbeobachtet verlassen kann. Kein Handy, kein offener Laptop - volle Aufmerksamkeit signalisiert Respekt. Zeitpuffer einplanen, kein Folgetermin direkt danach. Nicht freitags kurz vor Feierabend, nicht montags früh. HR kann bei hohem Eskalationsrisiko sinnvoll sein - das Gespräch selbst ist und bleibt Führungsaufgabe.



Bevor du ins Gespräch gehst – Haltung vor Technik


Es gibt viele Checklisten dafür, was in einem Kündigungsgespräch zu tun ist. Wann HR dabei sein sollte. Welche rechtlichen Punkte besprochen werden müssen. Wie das Gespräch zu dokumentieren ist.


Das ist alles wichtig.


Aber was die meisten Führungskräfte wirklich brauchen, ist etwas anderes: Klarheit darüber, mit welcher inneren Haltung sie in dieses Gespräch gehen.


Denn wie du dich fühlst, wenn du den Raum betrittst, bestimmt, wie das Gespräch läuft. Viel mehr, als du denkst.


Drei Fragen, die du dir vorher stellen solltest:


Bin ich mit der Entscheidung im Reinen? Nicht: Finde ich sie gut. Sondern: Kann ich dahinterstehen? Wenn du das Gespräch führst und innerlich noch zweifelst, ob es die richtige Entscheidung war, wird das spürbar sein. Du wirst relativieren, abschwächen, vielleicht sogar Hoffnung machen, wo keine ist. Das ist das Grausamste, was du in diesem Moment tun kannst - auch wenn es sich im ersten Moment mitfühlender anfühlt.


Was ist meine Aufgabe in diesem Gespräch? Deine Aufgabe ist es, klar und respektvoll zu kommunizieren - nicht, die andere Person glücklich zu machen. Du kannst Mitgefühl zeigen. Du kannst präsent sein. Aber du kannst den Schmerz nicht nehmen. Und das ist nicht dein Job.


Was tue ich, wenn Emotionen hochkommen - bei der anderen Person oder bei mir? Genau dafür ist dieser Artikel da. Aber denk kurz vorher daran: Du darfst auch selbst bewegt sein. Du musst keine Maske tragen. Ein ruhiges, menschliches Gespräch ist besser als ein perfekt kontrolliertes, das sich kalt anfühlt.


Du stehst gerade konkret vor diesem Gespräch und möchtest dich kurz absichern? Ruf mich an oder vereinbare einen kurzen Videocall - wir klären gemeinsam, ob und wie ich dich dabei unterstützen kann.





Im Gespräch: Wenn Tränen fließen


Es passiert. Mitten im Satz. Oder nach den ersten Worten. Manchmal auch erst, wenn die Person begreift, was das bedeutet.


Und dann sitzt du da.


Was jetzt kommt, ist der Moment, den die meisten Führungskräfte am meisten fürchten. Und er ist tatsächlich unangenehm - das lässt sich nicht schönreden. Aber er ist aushaltbar. Und mit der richtigen Haltung ist er sogar ein Moment, der Würde hat.


Was jetzt hilft:


Klappe halten. Das ist der wichtigste Satz in diesem Artikel.


Der Impuls, sofort zu reden, zu relativieren, zu trösten oder weiterzumachen, ist riesig. Tu es nicht. Lass die Stille zu. Tränen brauchen Raum. Wenn du sofort drüberredest, nimmst du der Person genau diesen Raum weg.


Präsent sein - ohne zu kommentieren. Du musst nichts sagen. Du musst nicht erklären, warum du das verstehst. Du musst nicht sagen, dass du das auch schwer findest. Sitz einfach da. Halte den Blickkontakt, aber starre dein Gegenüber nicht nieder. Deine ruhige Anwesenheit ist mehr wert als jedes Wort.


Keine Floskeln. „Ich weiß, wie du dich fühlst." „Das wird schon wieder." „Du findest sicher schnell was Neues." - das alles klingt nach Hilfe. Ist es nicht. Es klingt nach: Ich möchte, dass du aufhörst zu weinen, weil ich nicht weiß, was ich damit anfangen soll.


Wenn du etwas sagen willst: „Ich sehe, dass dich das gerade sehr trifft." Und dann wieder Stille.


Berührungen mit Bedacht. Eine Hand auf der Schulter kann wohltuend sein, wenn die Beziehung das hergibt. Wenn du dir nicht sicher bist: lass es. Kein Körperkontakt ist besser als ungebetener.


Tränen dauern selten lange. Das ist keine Verharmlosung, sondern Biologie. Nach ein paar Minuten haben sich die meisten wieder gefangen. Warte. Atme. Halte durch.


Was mit dem Gespräch passiert:

Hier ist ein Punkt, den viele nicht wissen: Ein Kündigungsgespräch muss nach Tränen nicht neu gestartet werden. Es darf kurz pausieren. Aber es muss zu Ende geführt werden - klar, respektvoll, mit allen notwendigen Informationen.


Das ist kein Widerspruch zu Mitgefühl. Es ist Respekt.


Denn wenn du das Gespräch abbrichst, vertröstest oder plötzlich alles offenlässt, weil jemand weint, tust du der Person keinen Gefallen. Du verlängerst die Unklarheit. Und Unklarheit ist in diesem Moment das Schlimmste.


Eine Ausnahme gibt es: Wenn die Person einen echten Kontrollverlust erlebt – einen Nervenzusammenbruch, aus dem sie sich nicht mehr selbst herausfinden kann – dann ist Abbrechen die richtige Entscheidung. Aber auch dann: Das Kündigungsschreiben sofort übergeben, den Erhalt schriftlich bestätigen lassen und noch im Gespräch einen konkreten Folgetermin vereinbaren. Nicht vertagt wird die Botschaft – nur die Details.


Eine mögliche Überleitung nach Tränen: „Darf ich kurz weitermachen? Ich möchte sichergehen, dass du weißt, wie es jetzt weitergeht."


Häufige Fehler im Kündigungsgespräch und was stattdessen hilft: „Das kam von oben" untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit - besser: „Das ist eine schwierige Entscheidung, und ich stehe dazu." Floskeln wie „Ich weiß, wie du dich fühlst" nehmen der Person den Raum für ihr eigenes Erleben - besser: „Ich sehe, dass dich das gerade sehr trifft" oder einfach Schweigen. Relativierungen wie „Eigentlich bist du ja gut, aber..." machen die Botschaft verwirrend - besser: klare, kurze Begründung, dann Raum für die Reaktion. Das Gespräch abzubrechen, weil jemand weint, verlängert die Unklarheit - besser: kurze Pause, dann ruhig weitermachen.



Was du auf keinen Fall tun solltest


Ein paar Fehler, die unter Druck fast automatisch passieren:


Relativieren. „Eigentlich bist du ja gut. Aber..." - Das macht es nicht besser. Es macht es verwirrend. Die Person weiß nicht mehr, was jetzt gilt.


Zurückrudern. Du hast die Entscheidung kommuniziert. Sie ist gefallen. Wenn du jetzt anfängst, Hintertüren zu öffnen, weil die Reaktion schwer ist, entstehen falsche Hoffnungen. Das rächt sich.


Übertrieben entschuldigen. Ein aufrichtiges „Das ist eine schwierige Nachricht, das weiß ich" ist gut. Ein fünfminütiges Entschuldigungsmonolog macht das Gespräch zu deinem Entlastungsgespräch - nicht zu einem würdevollen Abschluss für die andere Person.


Zu viel erklären. Je länger du die Begründung auswalzt, desto mehr Angriffsfläche bietest du. Klare, kurze Begründung. Dann Raum für die Reaktion.


Das Gespräch in schlechter Verfassung führen. Wenn du selbst unter enormem Druck stehst, gerade einen anderen Krisenherd im Nacken hast oder emotional kaum ansprechbar bist: Versuche, den Termin so zu legen, dass du präsent sein kannst. Das Gespräch verdient das - und die Person auch.



Nach dem Gespräch – was mit dir passiert


Darüber spricht kaum jemand.


Das Gespräch ist vorbei. Du gehst raus. Und dann?


Viele Führungskräfte berichten von einem seltsamen Gefühl danach: Erschöpfung, manchmal ein leeres Sitzen am Schreibtisch, manchmal Gedanken, die nicht aufhören. Habe ich es richtig gemacht? War ich zu hart? War ich zu weich?


Das ist normal.


Ein Kündigungsgespräch kostet etwas. Es ist kein Routinetermin. Und wenn du danach kurz brauchst, um dich zu sammeln, dann nimm dir diese Zeit. Das ist keine Schwäche. Das ist Verarbeitung.


Was du konkret tun kannst: Kurze Notiz machen, was du gesagt hast und wie es verlaufen ist. Nicht für die Akte - für dich. Das hilft, den Gedankenstrom zu unterbrechen.


Und dann: Abgrenzen. Das Gespräch ist geführt. Die Entscheidung war richtig - oder war es zumindest zu diesem Zeitpunkt. Du kannst den weiteren Weg der Person nicht gehen. Aber du kannst deinen weitergehen.



Für Führungskräfte, die grundsätzlich vorbereitet sein wollen


Wenn du nicht gerade akut im Vorbereitungsmodus steckst, sondern dir generell wünschst, in solchen Situationen souveräner zu werden, dann ist das, was ich gerade beschreibe, kein Einzelproblem.


Schwierige Gespräche - Kündigung, Kritik, Konfrontation - fallen schwer, wenn man keine klare Haltung zur eigenen Führungsrolle hat. Wenn man im Zweifel ist, ob man der Typ dafür ist. Wenn man nie gelernt hat, wie man mit Emotionen anderer Menschen umgeht, ohne selbst die Kontrolle zu verlieren.


Das ist kein Charakterfehler. Das ist fehlende Übung in einem Terrain, das die meisten technischen Führungskräfte nie systematisch trainiert haben.


Genau das ist der Kern von dem, was ich in meiner Arbeit mit Führungskräften im Mittelstand tue - und was ich gerade in einem neuen Programm entwickle: Führen in der Krise. Für Führungskräfte, die in turbulenten Phasen nicht nur operativ funktionieren, sondern auch menschlich führen wollen.


Wenn das für dich interessant klingt: Trag dich gerne auf die Warteliste ein - ich informiere dich, sobald das Programm startet.


Oder du möchtest eine konkrete Situation jetzt klären - ohne Programm, ohne Commitment: Ein unverbindlicher Videocall reicht oft, um einen Knoten zu lösen.




Oder du merkst, dass das kein Einzelfall ist - dass schwierige Gespräche, Druck von oben und emotionale Ausnahmesituationen in deinem Führungsalltag gerade Dauerzustand sind? Dann ist Executive Coaching vielleicht der richtige nächste Schritt.




FAQ


Was sage ich, wenn jemand im Kündigungsgespräch weint?

Nichts — zumindest nicht sofort. Schweigen und Präsenz sind mehr wert als jedes Wort. Wenn du etwas sagen willst: „Ich sehe, dass dich das gerade sehr trifft." Dann Raum lassen. Tränen dauern selten länger als ein paar Minuten. Danach kannst du ruhig weitermachen.


Soll ich das Gespräch abbrechen, wenn die Person sehr emotional ist?

In den meisten Fällen: nein. Eine kurze Pause ist sinnvoll. Aber das Gespräch sollte zu Ende geführt werden - mit allen notwendigen Informationen. Offene Enden sind in diesem Moment das Schlimmste für die andere Person.

Ausnahme: Wenn die Person einen echten Kontrollverlust erlebt, aus dem sie sich nicht selbst herausfinden kann, darf das Gespräch abgebrochen werden. Dann aber: Kündigungsschreiben sofort übergeben, Erhalt bestätigen lassen, Folgetermin noch vor Ort festlegen.


Was tue ich, wenn ich selbst emotional werde?

Du darfst bewegt sein. Du musst keine Maske tragen. Ein kurzes „Das ist auch für mich kein leichter Moment" ist menschlich und ehrlich. Entscheidend ist: Du bleibst klar in dem, was du kommunizierst.


Wie bereite ich mich auf das Gespräch vor?

Weniger auf die Worte, mehr auf die Haltung. Bist du mit der Entscheidung im Reinen? Weißt du, was deine Aufgabe in diesem Gespräch ist? Hast du dir überlegt, wie du mit starken Reaktionen umgehst? Das ist die eigentliche Vorbereitung.


Wie unterscheidet sich das von einem Gespräch, in dem jemand spontan weint?

Im Kündigungsgespräch weinen Menschen nicht aus dem Nichts, sondern als Reaktion auf eine Nachricht, die du überbracht hast. Das ändert nichts an der Grundregel: Raum lassen, präsent sein, ruhig bleiben. Aber es bedeutet, dass du das Gespräch danach weiterführen musst - auch wenn die Stimmung schwer ist.



Fazit


Kündigungsgespräche werden nicht leichter, je mehr man sie führt.


Aber man wird ruhiger. Klarer. Sicherer in dem, was man tut - und warum.


Das Schwierigste ist nicht das Gespräch selbst. Es ist die eigene Erwartung, dass man es irgendwie schafft, es für alle schmerzlos zu machen. Das klappt nicht. Und das ist auch nicht dein Job.


Dein Job ist es, klar zu sein. Menschlich zu sein. Und der Person den Respekt zu geben, den sie in diesem Moment verdient - auch wenn es wehtut. Gerade dann.


Wenn du Tränen aushältst, ohne in Panik zu verfallen. Wenn du schweigst, obwohl alles in dir schreit, dass du etwas sagen musst. Wenn du das Gespräch zu Ende führst, auch wenn es schwer ist, dann hast du als Führungskraft in einem der härtesten Momente deines Jobs alles richtig gemacht.


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👉 Führen in der Krise (Programm in Vorbereitung — Link folgt)




🎯 Für Führung, die wirkt - und Teams, die bleiben.

 Deine Doris von Your Business Coach



Doris Lindner, dvct-zertifizierte systemische Coach für Führungskräfte im technischen Mittelstand, spezialisiert auf 360°-Feedback und Entwicklungsprogramme
Foto: Irmi Sinnesbichler

Autorin:


Doris Lindner ist dvct-zertifizierte systemische Coach und arbeitet seit 2006 mit Führungskräften im technischen Mittelstand. Sie war sechs Jahre in leitender Funktion tätig und Teil des Führungskreises eines Unternehmens mit über 500 Mitarbeitenden.


Heute konzipiert und führt sie Entwicklungsprogramme für Führungskräfte in KMU (50–1000 MA) durch - mit 360°-Feedback, Coaching und strukturierter Transferbegleitung. Zusammenarbeit u. a. mit Cubia AG und Hans-Seidel-Stiftung.


Im Blog schreibt sie über Mitarbeiterbindung, Führungskompetenz, Kommunikation und Anforderungen an Führung im Mittelstand.



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